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SPORTÄRZTEBUND NORDRHEIN
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Aktuell in der Presse: 10.000 Schritte täglich - was bringt das?

Artikel aus "Rheinische Post", Ausgabe: 03.09.2019:

RP ONLINE - Tanja Walter

10.000 Schritte sollen es täglich sein, so diktieren es Schrittzähl-Apps und die Weltgesundheitsorganisation. Aber warum eigentlich 10.000? Und was hat man davon?

Würde man zu Fuß vom Bahnhof in Düsseldorf zum Ortsteil Rath marschieren, wäre alles gut. Man hätte die tägliche Bewegungspflicht erfüllt, indem man 6,6 Kilometer zurücklegt hat, also ungefähr 10.000 Schritte. Für diese würde man durchschnittlich eine Stunde und 22 Minuten benötigen. Ähnlich weit ist die Strecke von Mönchengladbach nach Wickrath. Aber anderthalb Stunden Fußweg? Das ist realistisch betrachtet eine Wanderidee fürs Wochenende. Es jedoch täglich zu tun – undenkbar, zumindest für die meisten Deutschen.

In Zahlen beweist das die Bewegungsstudie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2016: Nur 21 Prozent der Befragten bewegen sich ausreichend. 48 Prozent gaben in der Studie an, Sportmuffel zu sein, 66 Prozent sind nicht einmal eine Stunde am Tag aktiv.

Dabei empfiehlt es die Gesundheits-App auf dem Handy anders. Alternativ zu den 10.000 Schritten empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 150 Minuten moderate Bewegungszeit in der Woche. Moderat heißt, etwas aus der Puste zu kommen und ein bisschen zu schwitzen. Wer richtig Sport macht, hat schon mit 75 Minuten in der Woche das Mindestmaß erfüllt.

Die meisten aber richten sich nicht nach den Angaben des Zeit-, sondern des Schrittmessers. Warum, macht Michael Fritz, stellvertretender Vorsitzender des Sportärztebunds Nordrhein aus Viersen deutlich: „10.000 Schritte geschafft zu haben motiviert stärker als, eine Stunde spazieren gegangen zu sein.“

Warum aber nun 10.000 Schritte? Angeblich, so eine Erklärung, der New York Times, brachte ein japanisches Unternehmen zu den Olympischen Spielen Mitte der 1960er Jahre in Tokio einen ersten Schrittzähler auf den Markt. Sein Name: „Man-po-kei“. „Man“bedeutet so viel wie „10.000“, die anderen Wörter „Schritt“ und „Maß“. Das Werbeversprechen um diesen Schrittzähler: 10.000 Schritte am Tag seien Ausdruck eines gesunden Lebensstils. Mit der Zeit verselbstständigte sich die Zahl und blieb als Richtwert in den Köpfen hängen.

Doch bekommt dieser Mythos valide Zahlen aus der Forschung an die Seite: Denn große Studien aus den USA legten die Messlatte bei ebenso vielen Schritten an. „Es gibt zudem zahlreiche nationale und internationale Studien, die zum gleichen Ergebnis kommen“, sagt Christine Graf. Sie ist Sportwissenschaftlerin am Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaften der Deutschen Sporthochschule Köln.

Als Maß aller Dinge gilt die Zahl 10.000 dennoch nicht. Sie bleibt ein Richtwert. „Wer abnehmen möchte, sollte sich eher an 13.000 Schritten täglich orientieren“, sagt die Sportwissenschaftlerin. 5000 Schritte seien meist zu wenig und 20.000 effektiver, aber für den Durchschnittsbürger eher abschreckend, sagt Fritz.

15.000 Schritte sollten es laut einer Studie aus dem Jahr 2017 sein. In ihr untersuchten Wissenschaftler der University of Warwick Postmitarbeiter und Büroangestellte aus Glasgow und statteten sie mit Fitness-Trackern aus. Das Ergebnis: die Postboten, die sich mehr bewegten, hatten einen geringeren Taillenumfang, BMI und bessere Blutzucker- und Cholesterinwerte. Darüber hinaus fanden die Forscher zudem heraus, dass mit jeder Stunde in sitzender Tätigkeit das Risiko, später mal eine Herzerkrankung zu bekommen, um zwei Prozent steigt.

Umgekehrt sinkt die Wahrscheinlichkeit an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben um 20 bis 30 Prozent, wenn man sich mit 2200 Schritten zusätzlich am Tag moderat bewegt. Eine große Bedeutung hat Bewegung auch in der Krebsprävention: „In 126 Studien konnte nachgewiesen werden, dass 150 Minuten Sport pro Woche (10.000 Schritte täglich) die Wahrscheinlichkeit für Frauen an Brustkrebs zu erkranken um 35 Prozent senken“, sagt Fritz. Das Risiko an Darmkrebs zu erkranken reduziert sich um 20 bis 30 Prozent, wenn man jeden Tag eine Stunde in schnelles Gehen investiert.

Also doch jeden Tag von Düsseldorf bis Rath? Nein, das ist nicht nötig, denn jede Form der Bewegung zählt, sagt Graf. Auch schon der Weg zum Kopierer und zurück bringt das Ziel näher. Ebenso der Gang über die Treppe statt die Aufzugnutzung. Wer morgens mit dem Rad zur Arbeit fährt, kann auch das in Schritte umrechnen: Eine Stunde langsames Radfahren entspricht laut Sportmediziner Fritz etwa 7.500 Schritten, zügiges Radfahren 14.500. Eine Stunde Joggen bringt so viel wie 12.500 Schritte, langsames Schwimmen 11.000 und langsames Tanzen 6000. Auch einfache Bewegung addieren sich: eine Stunde Gartenarbeit ist so viel wie 7300 und Shoppen rund 4200 Schritte.

Wer eisern rund 2,5 Stunden pro Woche in Bewegung ist oder täglich 10 000 Schritte tut, senkt laut der Prospective Urban Rural Epideiology – einer Studie mit 170.000 Menschen über sieben Jahre hinweg – seine Sterblichkeit um 28 Prozent, sagt Fritz. Kurzum: Die Liste der positiven Auswirkungen bei eiserner Schrittezählerei ist lang: das Wohlbefinden steigt, Stress reduziert sich und ganz nebenbei tut es auch dem Gewicht gut. Was nicht heißt, dass man sich quasi als Belohnung gleich guten Gewissens eine Tafel Schokolade gönnen dürfte.

„Denn der Energieverbrauch durch Bewegung wird in der Regel völlig überschätzt“, sagt Graf. Für die Verbrennung eines Würfelzuckers (12 kcal) müssen wir laut der Sportwissenschaftlerin 500 Schritte zurücklegen. Um eine Tafel Schokolade los zu werden, heißt es eine Stunde Joggen.

 

Unser Leitbild

 

Tradition verpflichtet – ein kurzer geschichtlicher Überblick.

Deutschland gilt als das Gründerland der organisierten Sportmedizin und blickt auf eine mehr als 100jährige Tradition zurück. 1912 wurde in Oberhof / Thüringen die erste sportärztliche Vereinigung der Neuzeit gegründet. Weitere Meilensteine dieser Entwicklung sind die Herausgabe der ersten sportmedizinischen Zeitung der Welt (1924) und die Mitbegründung des Weltverbandes für Sportmedizin im Jahre 1928 FIMS sowie die Definition für Sportmedizin aus dem Jahr 1977.

Der Sportärztebund Nordrhein (SÄB NR) ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein und besteht seit 1948. Er ist der größte Landesverband des im Jahre 1950 gegründeten Deutschen Sportärztebundes, der heutigen Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Die DGSP ist ihrerseits eine der größten Organisationen für Ärztinnen und Ärzte in Deutschland und hat aktuell rund 8000 Mitglieder.

Entsprechend des Leitbildes der DGSP  sind wir DIE medizinische Gesellschaft für die Themen Gesundheit bei und durch körperliche Aktivität, Bewegung und Sport.

Bewegung ist Leben

Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die positiven Aspekte von körperlicher Aktivität und die Reduktion von Inaktivität. Unser Ziel ist es daher, Bewegung und Sport als integralen Bestandteil der Gesundheitsförderung in Prävention, Rehabilitation und Therapie in der Gesellschaft und in den ergebenden Lebensräumen zu etablieren.

Der Mensch im Zentrum

In unserem sportmedizinischen Handeln orientieren wir uns an den Voraussetzungen, Bedürfnissen und Möglichkeit jedes Einzelnen. Wir unterstützen die Gesunderhaltung und Leistungsfähigkeit in und durch Bewegung und Sport. Wir wenden uns dabei an Menschen jeden Alters, unabhängig von Gesundheitszustand und Leistungsfähigkeit. Wir sind den ethischen Normen der Medizin und des Sports verpflichtet. Doping ist verboten; es ist gesundheitsgefährdend. Wir lehnen jede Leistungsmanipulation ab und setzen uns für einen dopingfreien Sport ein.

Neben dem Leitbild orientieren wir unser sportärztliches Handeln am Ethikcode der FIMS.

Eine Besonderheit des SÄB NR ist sein besonders weites Angebot im Bereich der Fort- und Weiterbildung zur Erlangung der Zusatzbezeichnung Sportmedizin für Ärztinnen und Ärzte. Bereits 2007 wurde die erste Akademie für sportmedizinische Weiter– und Fortbildung gegründet. Sämtliche Kurse zur Erlangung der Zusatzbezeichnung Sportmedizin können über den SÄB NR absolviert werden. 

Die Weiter- und Fortbildung ist in erster Linie für Ärztinnen und Ärzte gedacht.

Sportärztebund Nordrhein e.V.

Deutsche Sporthochschule Köln
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D - 50933 Köln
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Fax: 0221 - 49 32 07
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